FREUNDE FRANKFURTS

Justitia- oder Gerechtigkeitsbrunnen

Der Justitia Brunnen auf dem Römerberg ist als eines der Wahrzeichen der Stadt Frankfurt weit über ihre Grenzen hinaus bekannt. Weltweit ist er zudem einer der wenigen Brunnen, die der Göttin der Gerechtigkeit geweiht sind. Direkt vor dem Rathaus, in dem im Mittelalter auch Recht gesprochen wurde, dokumentiert sie den Sinn für Gesetz und Recht, dem in einer sich selbst regierenden Stadt eine besondere Bedeutung zukam. Ein bemerkenswertes Detail ist das Fehlen der sonst üblichen Augenbinde der Justitia. Sehenden Auges blickt sie in Richtung Rathaus und mahnt den Magistrat, Gesetz und Recht zu wahren.
Schon einen Vorgänger des jetzigen Brunnens krönte die Statue der Justitia, denn so wie das Wasser des Brunnens gleichmäßig für alle sprudelte, sollte ohne Unterschied allen Bürgern der Stadt Gerechtigkeit widerfahren.

Detailansicht der Einfriedung
Detailansicht der Einfriedung, Foto: © Barbara Deppert-Lippitz

In seiner heutigen Form entstand der Brunnen im Jahr 1887 als Geschenk des Frankfurter Weinhändlers Gustav D. Manskopf an die Stadt. Im Gegensatz zu seinem ganz in Sandstein gearbeiteten Vorgänger besteht nur noch die Brunnenschale aus Stein. Die zentrale Statue der Justitia und ihr Sockel mit allegorischen Darstellungen der vier Tugenden wurden nach dem Entwurf des Frankfurter Bildhauers Friedrich Schierscholz (1840–1894) in Bronze gegossen. Die elegant ornamentierte Einfriedung entwarf der bekannte Frankfurter Architekt und Künstler Alexander Linnemann (1839–1902), ein Schwager von Schierholz. Ausgeführt wurde sie in Schmiedeeisen.
Einfriedung und Justitia Statue sind Beispiele künstlerisch wie technisch ausgezeichneter Bildhauerarbeit und angewandter Kunst des späten 19. Jahrhunderts. Die hervorragende Qualität zeigt sich in ihrer „Zeitlosigkeit“ und ihrer Individualität. Es dominiert weder der zur Entstehungszeit noch populäre späten Historismus noch der bereits voll entfaltete Jugendstil.

Detailansicht der Einfriedung
Detailansicht der Einfriedung, Foto: © Barbara Deppert-Lippitz

Der heutige Zustand der Einfriedung ist das Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung und Vandalismus. Sie hat zudem durch fachlich unzulässige frühere Reparaturen gelitten. Dazu kommt eine fortschreitende Korrosion, die duch das kontinuierlich Eindringen von Feuchtigkeit gefördert wird. Selbst die vier vergoldeten Frankfurter Adler sind bereits geschädigt.
Statue und Sockel der Justitia scheinen auf den ersten Blick in einem relativ guten Zustand. Näheres Hinsehen zeigt Fehlstellen, Risse und Kalkablagerungen. Eine gründliche sach- und denkmalschutzgerechte Sanierung ist hier ebenso nötig wie bei der Einfriedung.

Aufgrund der Überprüfung des augenblicklichen Zustands und Feststellung der durchzuführenden Arbeiten durch einen geprüften Sachverständigen können wir von Kosten von ca. 82.000.- Euro incl. Mehrwertsteuer ausgehen, denn das Angebot des Restaurators „werkstatt für schmiedekunst“ in Kauna (Thüringen), der unser Uhrtürmchen in der Nahe des Zoos schon so schön instandgesetzt hat, liegt vor. Aufgrund zahlreicher Spenden haben wir die Rettung des Justitia Brunnens beauftragen können.
Am 02. Mai 2017 bei nicht gerade idealem Wetter begannen die Arbeiten mit dem Abbau des kunstvollen schmiedeeisernen Gitters. Am 03. Mai gegen Mittag kam der Kran um Justitia sanft vom Sockel in die Lüfte zu erheben und sie sicher auf den Transportwagen zu legen. Justitia zusammen mit den Gitterteilen starteten dann zur verordneten Kur.

Anfang Oktober 2017 wird unsere Justitia auf den Sockel springen um sich, beschützt von dem im altem Glanz wiederhergestellten zugehörigen Gitter um den Brunnen, feiern zu lassen. Darauf freuen wir uns schon heute und hoffen, daß die noch anstehenden Arbeiten am und um den Brunnen bis dahin durchgeführt sind.

Aktualisierung: 11.05.2017