FREUNDE FRANKFURTS

Rundschreiben

Ende Dezember 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

seitdem die Baugerüste an den Häusern unserer Neuen Altstadt verschwunden sind, geschehen in Frankfurt ungeahnte Wunder. Langjährig bekennende Gegner des Projekts Neue Altstadt an sich und insbesondere der Rekonstruktion historischer Bauten schwärmen auf einmal begeistert von der „Begegnung mit der Geschichte Frankfurts“. Wer nicht sicher war, was er von dem Nebeneinander von zeitgenössischer Architektur und rekonstruierten historischen Bauten halten sollte, stellt überrascht fest, dass sich das doch sehr gut ergänzt. Und diejenigen, die sich jahrelang aktiv besonders für die Rekonstruktion von Altstadthäusern engagierten, werden plötzlich nicht mehr als Ewig-Gestrige abgewertet. Unerwartet war auch die Begeisterung jüngerer Generationen für das kleine, aber feine neue Viertel im Herzen der Stadt.

Blick auf die Neue Altstadt
Blick auf die Neue Altstadt, © Klaus Malorny

Der lange Weg, um ein Stück Altstadt wieder zu gewinnen, begann am 1. März 1949, als Dr. Fried Lübbecke, der Initiator und Vorsitzende des 1922 gegründeten Bundes Tätiger Altstadtfreunde, der später in Hinblick auf die nicht mehr existierende Altstadt als FREUNDE FRANKFURTS weitergeführt wurde, dem Hochbauamt einen Plan zum Wiederaufbau vorlegte. Dieser Plan ist die Grundlage des heutigen Wiederaufbaus der Altstadt durch die Dom/Römer GmbH.

Bei Kriegsende standen auf dem gesamten Gebiet der Frankfurter Altstadt noch 279 ganz oder teilweise erhaltene Häuser, darunter 93 denkmalwürdige. Ein Wiederaufbau durch private Besitzer wurde durch einen unmittelbar nach Kriegsende verhängten Baustopp für die Altstadt verhindert. Das Hessische Wiederaufbaugesetz erlaubte anschließend die Enteignung der Grundstücke und die großflächige Bebauung durch Wohnungsbaugesellschaften. Am 9. März 1951, fast sechs Jahre nach Kriegsende, beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Altstadt, den anderen Teilen der Stadt „anzugleichen“, und der Wiederaufbau konnte beginnen.

Der von Fried Lübbecke in Zusammenarbeit mit dem damaligen Denkmalpfleger H.K. Zimmermann, dem Leiter des Historischen Museums, Albert Rapp, dem Architekten Franz C. Throll und dem Leiter der Bauten für das Freie Deutsche Hochstift, Kenner, ausgearbeitete und vom Landeskonservator geprüfte Plan schlug vor, kulturhistorisch bedeutende Häuser – wie etwa die Goldene Waage – zu rekonstruieren, alle anderen Gebäude im „Geiste unserer Zeit“ aufzubauen. Das Straßennetz, die Grundrisse und die alten Dimensionen der Gebäude sollten beibehalten werden. Oberbürgermeister und Magistrat wehrten sich vehement gegen diese Vorstellungen und es dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert bis man den Mut fand, Dr. Fried Lübbeckes Plan hervorzuholen und auf dem Dom/Römer Areal umzusetzen. Das Ergebnis wird Ihnen am 29. März 2018 Christian Setzepfand bei einer Führung an Ort und Stelle erzählen. Die Bedingungen zur Teilnahme entnehmen Sie bitte den Angaben zu den Veranstaltungen.

Ebenfalls ein eng mit der Geschichte der Frankfurter Altstadt zusammenhängendes Thema sind die Rathaustürme Langer Franz und Kleiner Cohn, über die am 24. Januar 2018 Björn Wissenbach sprechen wird. Und am 21. Februar 2018 folgt ein Vortrag zu den auch im alten Frankfurt üblichen gesetzlichen Strafen. Als Referenten konnten wir dafür Dr. Markus Hirte, Leiter des mittelalterlichen Justizmuseums in Rothenburg o.d.T., das an 6. Stelle der meistbesuchten Museen Deutschlands steht, gewinnen.

Mit allen guten Wünschen für das Neu Jahr,

Dr. Barbara Deppert-Lippitz
Geschäftsführende Vorsitzende

Neue Anschrift und Telefonnummer:
Freunde Frankfurts, Baumweg 43, 60316 Frankfurt am Main
Tel. 0170-48 23 274.

Aktualisierung: 07.01.2018