FREUNDE FRANKFURTS

Rundschreiben

Ende September 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

im März 1954 schrieb der damalige Oberbürgermeister Walter Kolb „Die Altstadt konnte, so wie sie war, leider nicht wiedererstehen. Unabweisbare städtebauliche Notwendigkeiten verlangten andere Lösungen, die schon im Begriff sind, sich weithin zu verwirklichen, und uns vielleicht mit Stolz erfüllen, wenn sie abgeschlossen sind.“

Stadtplaner und Architekten hatten mehr als ein halbes Jahrhundert die Chance, diese Ankündigung umzusetzen. Was immer das wechselnde Ergebnis war - keines konnte die Frankfurter Bürgerschaft überzeugen. Dies sollte allen Kritikern der gerade eingeweihten und begeistert angenommenen Neuen Altstadt zu denken geben!


Barocker Eingang

Nicht erwähnte Walter Kolb 1954, dass bereits 1949 eine Gruppe von engagierten Bürgern um Fried Lübbecke, dem Gründer des Bundes der Tätigen Altstadtfreunde und sog. Altstadtvater, ihm und dem Magistrat einen mit Fachleuten erarbeiteten Plan für den Wiederaufbau der Altstadt vorgelegt hat. In seinen Grundzügen entsprach er den Prinzipien, nach denen die Neue Altstadt aufgebaut wurde. Der Plan wurde abgelehnt, alle vorhandenen historischen Bauteil abgeräumt und verschrottet oder verkauft, wenig überlebte. Um so dankbarer sind wir der DomRömer GmbH, für ihr Bemühen, noch auffindbare historische Bauteile – sog. Spolien – in der Neuen Altstadt zu integrieren.

Die größte verwendete Spolie ist der hier abgebildete 5m breite und ca. 3,50m hohe barocke „Torbogen“ aus Sandstein, den Sie im Original in der Gasse Im Lämmchen bewundern können. Jahrzehntelang stand er im Garten des Liebighauses bis er eine sinnvolle Verwendung in der Neuen Altstadt fand. Seine Herkunft wäre nicht bekannt, wenn nicht Fried Lübbecke sie In seinen 1960 erschienenen Erinnerungen festgehalten hätte. Er berichtet, wie er als junger Museumskurator im Juli 1914 hinter der Schillerstraße – im ehemaligen Taubenhof – „die wohlerhaltene Sandsteinfassade eines abgebrochenen barocken Gartenhäuschens“ fand, die Einzelteile in den Garten des Liebighauses fahren und sie dort zu einer Art Portalbau aufbauen ließ.

Der von Lübbecke erwähnte Taubenhof ist schon um 1400 als „Duben Hoff“ belegt. Er lag im Gebiet zwischen der heutigen Hochstraße und der Schillerstraße. Heute erinnert nur noch der Name Taubenstraße an ihn. Auf dem Delteskamp Plan von 1864 sind dort noch kleine, barocke Häuser zu erkennen, ohne dass festgestellt werden kann, zu welchem die von Lübbecke gerettete Fassade mit ihrem vorn zwei hohen Fenstern flankiertem Türeingang gehört haben mag. Die Nutzung als „Torbogen“ vor dem Eingang eines modernen Hauses wäre ganz im Sinne von Fried Lübbecke gewesen.

Aus organisatorischen Gründen konnte die Figur der Justitia nicht wie geplant rechtzeitig zur Eröffnung der Neuen Altstadt wieder aufgestellt werden. Das ist nun für den 10.Oktober 2018 um 10.30 Uhr geplant. Das ebenfalls schon längst restaurierte Schutzgitter kann allerdings erst aufgestellt werden, wenn von Seiten der Stadt die Sandsteinplatten, auf denen es steht ausgebessert und weitere Bodenarbeiten abgeschlossen sind. Einen selten möglichen Blick in die Restaurierung erlaubt der Vortrag des Restaurators am 17. Oktober.

Im Sommer erklärte der Rektor Dr., Stefan Scholz uns in einem viel bewunderten Vortrag im Holzhausenschlösschen den Frankfurter Dom. Eine Ergänzung dazu bietet die Veranstaltung am 22. Oktober. Sie beginnt um 8.00 Uhr mit dem gemeinsamen Besuch des Gottesdienstes, anschließend führt Rektor Dr. Scholz durch den Dom und im Anschluss könnte der Vormittag bei einer Tasse Kaffee im Haus am Dom ausklingen.

Lässt sich schon etwas dazu sagen, wie sich die Neue Altstadt im Alltag bewähren wird? Dieser Frage gilt die Führung mit Björn Wissenbach am 24. Oktober.

Von Albrecht Dürer wurde er geschätzt, der Frankfurter Maler Martin Caldenbach, der in der Altstadt von Frankfurt vor 500 Jahren wohl an der Pest starb. In dem ihm gewidmeten Vortrag am 7. November erfahren wir aber nicht nur etwas zu seinem künstlerischen Werk, sondern auch zum Alltagsleben seiner Zeit.

Rechtzeitig vor dem vorweihnachtlichen Trubel führt uns die Einladung zu einem Besuch des neu eingerichteten Stoltze-Museums der Frankfurter Sparkasse erneut in die Neue Altstadt und zwar in die Goldene Waage.

Im Namen des Vorstands der Freunde Frankfurts wünsche ich Ihnen viel Freude bei unseren Veranstaltungen und einen schönen Herbst,

Dr. Barbara Deppert-Lippitz
Geschäftsführende Vorsitzende

Neue Anschrift und Telefonnummer:
Freunde Frankfurts, Baumweg 43, 60316 Frankfurt am Main
Tel. 0170-48 23 274.

Aktualisierung: 12.12.2018