FREUNDE FRANKFURTS

Rundschreiben

Oktober 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

in diesem Rundschreiben beschäftigen wir uns mit einem aktuellen Thema Frankfurts, Autor dieses Beitrags ist der Vorsitzende der Freunde Frankfurts, Christopher Dürselen.

Ein Frankfurter „Lindwurm“ mit Problemen

Es gibt viele Straßen in Frankfurt, die die Bezeichnung „Lindwurm“ durchaus verdient haben. Zuerst sind da natürlich die großen Achsen, wie die Friedberger Landstraße, Eschersheimer Landstraße und auch die ewig lange Mainzer Landstraße. Was haben diese eben genannten Straßen gemeinsam? Es ist der Begleittitel „Landstraße“, der die geographische Ausrichtung dieser Straßen bzw. deren Endziel beschreibt. Wer also lange genug auf der Mainzer Landstraße stadtauswärts entlangfährt und stur die Richtung hält, der kommt eben irgendwann auch in Mainz an. Zumindest war das früher so. Diese großen Achsen charakterisiert aber auch der meist vierspurige Ausbau (zumindest in der Zeit vor den roten Fahrradwegen) und die Unmengen an Verkehr, die diese Straßen täglich verkraften müssen. Große Linienbusse, LKWs, Radfahrer, Autos, diese kleinen E-Roller und der so beliebte Lieferverkehr unserer Internetbestellungen. Alles drängt sich auf diesen - zugegebenermaßen - meist großzügig angelegten Straßen.

Im Osten unserer Stadt, als Verbindung zwischen den Stadtteilen Bornheim und Bergen-Enkheim, befindet sich ein weiterer, aber keinesfalls so bekannter „Lindwurm“ Frankfurts. Diese Straße ist immerhin über 4,5 km lang, und damit nur ca. 500 Meter kürzer als die Eschersheimer Landstraße. Ihr Name kling verheißungsvoll und würde sie den Zusatz „Landstraße“ führen, so könnte man sich darauf verlassen, dass man irgendwann im Kasseler Schlosspark Wilhelmshöhe ankommen würde: die Wilhelmshöher Straße.

Im über 1.100 Jahre alten Seckbach gelegen, das in seiner wechselhaften Geschichte übrigens unter anderem zu Bayern, Frankreich und Hanau gehörte, durchquert die Wilhelmshöher Straße das gesamte Quartier in ost-westlicher Richtung. Seit dem Jahr 1900 ist Seckbach nunmehr ein Stadtteil Frankfurts.
Der deutlichste Unterschied zu den anderen Verkehrsachsen Frankfurts fällt sofort auf: Die Wilhelmshöher Straße ist über weite Teile extrem eng. Ausgerechnet im historischen Teil der Gemeinde ist das besonders problematisch. Die Bürgersteige sind teils so eng, dass nicht einmal zwei normal groß geratene Fußgänger aneinander vorbeikommen.

Die nächste, besonders intelligente Idee der Stadt war es, die Straßenbahnlinie von Bornheim kommend einzustellen: großartig für die Entwicklung der Grundstückspreise an der alten Trasse (heute ein Spazierweg), lebensgefährlich für die arglosen Passanten. Die Stadt ersetzte die Straßenbahn durch riesige Linienbusse, die heute wie gigantische Fremdkörper, meist nur Zentimeter entfernt an den teils historischen Fachwerkhäusern entlangrasen. Nicht selten können die Fußgänger nur durch Wegducken verhindern, dass sie der Außenspiegel des Busses am Kopf trifft.

Pendler aus dem gesamten östlichen Raum, also der komplette Landkreis Hanau wie auch Friedberg/Bad Vilbel, suchen sich morgens und abends ihren Weg in die und aus der Innenstadt über die Wilhelmshöher Straße. Die Friedberger Landstraße präsentiert sich stets völllig überfüllt, ganz zu schweigen vom Nadeöhr „Am Erlenbruch“, das jedem Autofahrer das letzte an Geduld und Leidensfähigkeit abverlangt.

So stelle sich der geneigte Leser bitte vor, dass sich ein erheblicher Teil der Verkehrsdichte einer Eschersheimer Landstraße durch Seckbach quält. Einen Fahrradweg gibt es nicht, Kinder mit ihren Fahrrädern und Nutzer von E-Rollern müssen die Straße meiden, ständige Staubildung durch die Linienbusse und Lieferanten runden das Bild ab.

Die historischen, teils denkmalgeschützten Fachwerkhäuser bröckeln wortwörtlich vor sich hin, Abgase und Ruß legen sich auf den Gebäuden nieder und beschädigen nicht nur die historischen Häuser mit dem erhaltenswerten Fachwerk, sondern natürlich auch alle anderen Gebäude. Von einem gesundheitlichen Aspekt zu Lasten der Bewohner ganz zu schweigen. In den letzten Jahren bildeten sich daher zunehmend Initiativen von Anwohnern. Zu wenige Zebrastreifen gefährden Schulkinder und ältere Mitbürger auf dem Weg zu den letzten noch vorhandenen Geschäften. Über die Jahre haben viele Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister ihre Läden geschlossen, denn selbst ein kurzes Parken vor den Läden ist - aufgrund eines dann drohenden Verkehrschaos - zu keinem Zeitpunkt möglich. Parkplätze sind ohnehin so gut wie nicht vorhanden.

Das Maß war dann irgendwann voll: Die Seckbacher gingen auf die Straße. Jetzt waren es die Anwohner, die sich ihre Straße - zumindest für ein paar Stunden - zurückholten.

Die Lösung dieser komplexen Thematik lag in zwei Ansätzen: zum einen Sanierung und Umbau der Wilhelmshöher Straße und zum anderen der Riederwaldtunnel.

Seit März 2021 wird die Wilhelmshöher Straße saniert und teils umgebaut. Neben neuer Straßenbeleuchtung und diverser Kanäle wird auch die Straßendecke erneuert. Über die Abgabe von Grundstücksteilen einzelner Anwohner sollen letztendlich auch die Bürgersteige besser nutzbar sein. Selbst die Begrünung mit Bäumen ist vorgesehen. Das Überqueren der Straße soll sicherer gestaltet werden.

Doch die Seckbacher brauchen einen langen Atem. Bereits jetzt wird der ursprüngliche Zeitplan nicht eingehalten. Insgesamt, bis zum Ende aller Maßnahmen über drei Bauabschnitte, werden noch viele Jahre vergehen. Allein der erste große Bauabschnitt wird laut dem Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) 36 Monate in Anspruch nehmen. Nun kann man sich leicht ausrechnen, wann das Gesamtprojekt abgeschlossen sein wird.

Ein weiterer, wichtiger Schritt zu einer Entlastung Seckbachs, aber auch Bergen-Enkheims und Bornheims ist der seit Dekaden geplante Tunnel am Riederwald. Die Autobahn A66 wird über das mittlerweile entstehende „Seckbacher Dreieck“ weitergeführt. Somit schließt sich endlich die historisch bestehende Verbindungslücke zwischen den Autobahnen West und Ost.

Sämtliche Pendler, die heute über Bad Vilbel und Bergen-Enkheim sowie aus dem Hanauer Raum kommend, die Wilhelmshöher Straße als vermeintliche Abkürzung in die Frankfurter Innenstadt nutzen, können nach Eröffnung des Riederwaldtunnels - dann ohne Stau an der Abfahrt Borsigallee und vor der Wilhelmshöher Straße - über das Seckbacher Dreieck zu den gewünschten Zielen durchfahren.

Zumindest die Chance auf eine Verbesserung ist mittlerweile gegeben. Allerdings könnte der Fund eines vom Aussterben bedrohten Käfers in einem Waldstück nahe der Tunnelbaustelle den Vorgang einmal mehr verzögern - muss doch erstmal geklärt werden, ob dieser arme Käfer tatsächlich auf dem Areal gefunden wurde bzw. dort bereits lebte oder von findigen Baumschützern aus einem anderen Lebensraum „entführt“ und am Riederbruch frisch eingemeindet wurde. Zumindest der Zeitpunkt dieses prominenten biologischen Fundes gibt Anlass zum Aufhorchen; Die Rodung dieser Bäume steht unmittelbar bevor. Die Stadt würde übrigens Ersatzpflanzungen vornehmen. Final bleibt es ein Fakt: Zehntausende von Bürgern im Osten unserer Stadt sind zur Steigerung ihrer Sicherheit und Lebensqualität auf diese Maßnahmen angewiesen.

Mit besten Wünschen
Christopher Dürselen

Neue Anschrift und Telefonnummer:
Freunde Frankfurts, Baumweg 43, 60316 Frankfurt am Main
Tel. 0170-48 23 274.

Aktualisierung: 12.10.2022