FREUNDE FRANKFURTS

Rundschreiben

Anfang Januar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

es war durchaus ein bewegender Moment, als im Oktober die Justitia auf den Gerechtigkeits- brunnen herabschwebte, gehalten von einem um ihre schmale Taille geschlungenem Band, dessen anderes Ende an einem Kran befestigt war. Ihre würdevolle Haltung und der ernste Gesichtsausdruck erinnerten an den alten Wahlspruch der Stadt Frankfurt, „Stark im Recht“.


Aufbau der Justitia am 10. Oktober 2018, © Fotografie-Schepp FFM/ Gina Hartwich

Für die dringend notwendige Restaurierung der Justitia, ihres Sockels und des Einfriedungsgitters des Gerechtigkeitsbrunnens haben wir uns lange eingesetzt. Über Jahre angesammelte Spenden unserer Mitglieder ermöglichten es, die Kosten dafür zu übernehmen. Trotzdem dauerte es Jahre bis das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt umgesetzt werden konnte. Die Wiederaufstellung der restaurierten Justitia gemeinsam mit der ebenfalls bereits restaurierten Einfriedung hätte schon im September 2017 erfolgen können. Das scheiterte daran, dass die maroden Bodenplatten, in die das Gitter eingelassen wird, nicht rechtzeitig erneuert werden und zusätzliche Pflasterarbeiten auf dem Römerberg nicht ausgeführt werden konnten. Und so kehrte die Justitia alleine zurück, damit der Brunnen nicht noch länger verwaist ist. Wie lange wir noch auf das Gitter warten müssen, ist noch offen.

Die Figur der Justitia mit dem Schwert in der Rechten und der Waage in der Linken ist ebenso wie die schönen allegorischen Reliefs auf ihrem Sockel ist das Werk des Frankfurter Bildhauers Friedrich Schierholz (1840 – 1894). Er schuf sie in Anlehnung an einen seit dem Mittelalter auf dem Römerberg stehenden Gerechtigkeitsbrunnen, der abgerissen und 1887 durch den jetzigen Brunnen ersetzt werden musste.

Friedrich Schierholz ist heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, obwohl er nicht nur mit der Justitia in der Altstadt vertreten ist. Der ebenfalls auf dem Römerberg stehende Minerva-Brunnen geht auf einen Entwurf von ihm zurück und ebenso der Stoltze-Brunnen auf dem Hühnermarkt. Das beachtenswerte Portrait von Friedrich Stoltze auf diesem Brunnen gehört neben der Justitia wohl zu den künstlerisch bedeutendsten Werken von Schierholz. Und nicht weit entfernt erinnert der von ihm geschaffene Fries allegorischer Figuren im Giebel der Alten Stadtbibliothek ebenfalls an diesen Bildhauer.

International bekannt wurde Friedrich Schierholz mit der von ihm in Zusammenarbeit mit seinem Schwager Alexander Linnemann geschaffenen „Stedemaagd von Amsterdam“, einer Personifizierung der holländischen Handelsstadt. Es ist eine über 2,5 m hohe, aus weißem Marmor gearbeitete Frauenfigur, die 1883 am Eingang des Vondelparks in Amsterdam aufgestellt wurde um, wie es hieß, der damals dort stattfindenden Weltausstellung“ künstlerisches Gewicht“ zu geben. Sie ist dort heute noch zu sehen.

Das Veranstaltungsprogramm für das laufende Quartal widmet sich höchst unterschiedlichen Themen. Gespannt sein können wir auf den Vortrag des ehemaligen Geschäftsführers der DomRömer GmbH, Michael Guntersdorf, über „den Teufel“, der in Bezug auf Bauen und Architektur „nicht nur im Detail steckt“.

Die im Februar folgende Besichtigung eines Ernst May Hauses und seines Umfelds erinnert an den bedeutenden in Frankfurt geborenen Architekten, der in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Bild einer Reihe Frankfurter Stadtteile prägte, vor allem aber auch die Grundlagen für moderne Wohnungsgestaltung schuf.

Räuberbanden, das Thema des Vortrags im März, standen in mehrfacher Beziehung zu Frankfurt. Sie überfielen Reisende auf dem Weg zu oder von den Frankfurter Messen und verhandelten ihre Beute in darauf spezialisierten Gasthöfen in der Stadt. Endeten sie am Galgen, trugen Bänkelsänger und Leierkastenmänner auf Jahrmärkten den ergriffen lauschendem Bürgern mit schaurig-schönen Moritaten, wie der Fachausdruck für Mörderballaden lautet, ihr Schicksal vor.

Die ursprünglich für dieses Quartal geplanten Besichtigungen des Stoltze Museums werden nach dessen Fertigstellung nachgeholt.

Mit allen guten Wünschen für das neue Jahr verbleibe ich Ihre

Dr. Barbara Deppert-Lippitz

Neue Anschrift und Telefonnummer:
Freunde Frankfurts, Baumweg 43, 60316 Frankfurt am Main
Tel. 0170-48 23 274.

Aktualisierung: 05.01.2019