Die Geschichte des Mains
Von der Furt im Main über die Flößerei bis zur Dampfschifffahrt
Der Main fließt auf einer Länge von 27 Kilometern durch Frankfurt und im Innenstadtbereich zwischen Hauptbahnhof und Osthafen gibt es insgesamt neun Brücken und Stege. Es bestehen zurzeit im Gebiet der Stadt noch drei aktive Häfen: der Gutleuthafen, der Osthafen und der Hafen am Industriepark Höchst.
Im Gutleut- und Osthafen werden jährlich 2.000 Schiffe mit drei Millionen Tonnen Schiffsgütern abgefertigt. Um zu verstehen, wie wichtig unsere Wasserwege – also auch der Main – sind, sei an dieser Stelle erwähnt, dass eine einzige Schiffsladung in etwa 100 Lastkraftwagen ersetzt.
Die Quellflüsse des Mains
Der Main hat zwei Quellflüsse, den weißen Main mit seiner Quelle im Fichtelgebirge und den roten Main mit seiner Quelle im Lindenhardter Forst auf der fränkischen Alb. Die beiden Quellflüsse vereinigen sich am Schloss Steinenhausen bei Kulmbach zum Main. Die Länge des Flusses beträgt 527 km – er ist damit neben Rhein, Weser, Elbe und Donau einer der längsten Flüsse Deutschlands. Die Hauptfließrichtung des Mains verläuft von Ost nach West, ein seltenes Phänomen, das der Main nur mit vier weiteren Flüssen Europas, unter anderem der Themse und der Loire teilt. Ab Hallstadt im Landkreis Bamberg ist der Main eine Bundeswasserstraße mit einer schiffbaren Länge von 388 km bis zur Mündung in den Rhein bei Ginsheim Gustavsburg.
Wie der Name "Main" entstanden ist
Genug der Daten und Fakten, jetzt soll es um die Geschichte des Flusses gehen. Beginnen wir mit dem Namen. Vermutlich ist der Name Moinos im Ursprung keltisch, die Römer nannten ihn Moenus. Die älteste bekannte Erwähnung finden wir bei Pomponius Mela aus dem Jahr 43 n. Chr.
Im Mittelalter wurde der Fluss Moyne oder Meyn genannt, im 17. Jahrhundert setzte sich der Name Main-Fluss durch. Für Kelten und Römer war der Main bereits ein Handelsweg.
Karl der Große und die Furt im Main
Für Kelten und Römer war der Main bereits ein Handelsweg. Im Jahr 794 wurde Franconofurt erstmals in einer Urkunde Karls des Großen erwähnt – die meisten von Ihnen kennen die Geschichte der Hirschkuh, die Karl dem Großen auf seiner Flucht vor den Sachsen eine Furt im Main zeigte.
Karl der Große versprach, zum Dank für seine gelungene Flucht an dieser Stelle eine Stadt zu bauen. Es entstand eine Kaiserpfalz und der St. Bartholomäus Dom wurde von 1483 bis 1806 zur Wahlstätte vieler römisch-deutscher Könige und Kaiser.
Der Main als Reiseweg
Der Main war sicherer und bequemer Reiseweg für Kurfürsten, Könige und Kaiser. Eine bequeme Reise mit einem zudem prachtvollen Prunkschiff auf dem Main zogen viele Herrscher, die nach Frankfurt kamen, dem Weg über Land vor. Die Reise in Kutschen war trotz der Geleitzüge mit bewaffneten Eskorten gefährlich und viel unbequemer als die zu Wasser.
Ein weiterer Vorteil eines Schiffes war die Möglichkeit, den Hofstaat und die in Frankfurt benötigten Dinge des Hofstaates, wie die Reichskleinodien, Festausrüstungen, Weinfässer, Lebensmittel und großen Gastgeschenke einfach zu transportieren.
Die Fischerzunft
Im Jahr 945 wurde die heute noch bestehenden Fischerzunft gegründet. Sie ist damit die älteste bekannte Zunft in Frankfurt. Ein Denkmal am Rechneigrabenweiher erinnert an die Fischerei.
Der Main war zu diesem Zeitpunkt und in den folgenden Jahrhunderten einer der fischreichsten Flüsse Europas und trug einen großen Teil zur Ernährung der Frankfurter Bevölkerung bei.
Magdalenenhochwasser
Auch wenn wir das Leben am Fluss in diesen frühen Jahren des Mittelalters nicht kennen, so kennen wir doch die Daten einiger gravierender Hochwässer in Frankfurt. An erster Stelle steht sicherlich das Magdalenenhochwasser am 22. Juli 1342. Seinen Namen verdankt das Ereignis der Tatsache, dass der Scheitelpunkt des Hochwassers am Tag der Heiligen Magdalena erreicht wurde. Nach sintflutartigen Regenfällen in diesem Sommer trat der Main über seine Ufer. Sein Pegelstand erreichte eine nie wieder da gewesene Höhe von 7,85 Metern über der normalen Wasserhöhe des Flusses. Die damals kurz zuvor fertig gestellte Dreikönigskirche – eine zweischiffige Hallenkirche, Vorgängerbau der heutigen Dreikönigskirche auf der Sachsenhäuser Seite – stand nach Berichten bis unter das Dach unter Wasser. In der Kirche des Weißfrauenklosters, in etwa dort, wo sich heute die Rückseite des Frankfurter Hofes befindet, stand das Wasser 2,10 Meter hoch. Auch die Alte Brücke wurde von den Wassermassen davongetragen. Am schlimmsten waren aber die vielen Toten, die zu beklagen waren.
Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Hochwassern: Es gibt einen Brief aus dem Jahr 1354 in dem berichtet wird, dass es zwei Reisenden möglich war, mit einem Kahn zum Karmeliterkloster zu fahren. Aus dem April des Jahres 1486 ist bekannt, dass Kaiser Friedrich III., dessen Sohn Maximilian I. und einige der Reichsfürsten, die zur Wahl Maximilians I. zum römisch-deutschen König in der Stadt waren, wegen eines Hochwassers nur unter großen Gefahren weiterreisen konnten. Die Quellen berichten von 100 Gulden als Bezahlung für die Schiffsleute – eine unglaubliche Summe, wenn man bedenkt, dass sich der Monatslohn eines Handwerkers auf 2–3 Gulden belief.
Ein weiteres großes Hochwasser ereignete sich im Jahr 1663 – der Pegelstand ist nicht überliefert, jedoch ist bekannt, dass viele Menschen und Tiere ihr Leben verloren und dass die Kaufleute, die ihre Waren in den Gewölben nahe des Mains hatten, ihre sämtlichen Waren verloren. Als letztes soll hier noch das Hochwasser vom Februar 1784 erwähnt werden. Durch einen extrem kalten und schneereichen Winter fror der Main komplett zu. Das einsetzende Tauwetter im Februar ließen die Eismassen aufbrechen, die Eisblöcke verkeilten sich an Brückenpfeilern und Engstellen, so dass das Schmelzwasser sich staute und schließlich eine riesige Flutwelle entstand. Betroffen davon waren alle Menschen, die am Fluss lebten, viele davon in Armut. Die Quellen sprechen davon, dass die Stadt die betroffene Bevölkerung durch Brot- und Holzspenden unterstützte.
Die Flößerei am Main
Die Wasserfahrzeuge des Mittelalters waren zunächst Flöße, später Schiffe. Die Flößerei auf dem Main ist urkundlich erstmals 1386 belegt. Archäologische Funde lassen aber die Annahme zu, dass die Flößerei von Holz bereits viel früher begann. Aus den waldreichen Gebieten des Obermains kamen große Mengen an dringend benötigtem Bau- und Brennholz nach Frankfurt. Der Transport des Holzes flussabwärts war leicht, schwieriger und mühsamer waren die Transporte von Waren und Menschen flussaufwärts. Die Schiffe des Mittelalters, beladen mit 10–20 Tonnen Fracht oder Menschen, konnten flussabwärts bei günstigen Bedingungen sagenhafte 100 Kilometer pro Tag zurücklegen, flussaufwärts waren sie dann – wie die Flöße – darauf angewiesen, gezogen zu werden. Hier lag die maximale Strecke bei 30 Kilometern am Tag, denn die Flöße und Schiffe mussten landseitig von sogenannten Leinreitern getreidelt, gezogen werden. Dafür gab es entlang des Mains sogenannte Treidelpfade. Heute befinden sich auf diesen Pfaden häufig Straßen. Das Treideln war besonders im Frühling und im Herbst ein gefährliches Geschäft. Die Treidelpfade waren durch Regen und Schnee rutschig und die Strömungsverhältnisse im Fluss manchmal unberechenbar. Oft kam es zu Unfällen, die Pferde rutschten auf den Pfaden aus und landeten im Fluss und für den Reiter ging das unter Umständen auch nicht gut aus: Obwohl sie nur seitwärts auf ihrem Pferd saßen, landeten auch sie manchmal im Fluss. Ein Denkmal am Landungsplatz in Rüsselsheim erinnert an die Treidelpferde und ihre Reiter. Ihre Blütezeit hatte die Flößerei im 18. und 19. Jahrhundert, verlor aber an Bedeutung durch die Erfindung der Eisenbahn und die damit einhergehende Verlagerung des Transports auf die Schiene. Das Ende fand die Flößerei auf dem Main dennoch erst in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Das Mainzer Marktschiff
Ab dem 12. Jahrhundert gab es einmal täglich ein Marktschiff nach Mainz. Abfahrt war um 10 Uhr am Fahrtor, transportiert wurden Waren, bis zu 200 Passagiere und Post. Das Schiff erreichte zwischen 15 und 16 Uhr Mainz. Am nächsten Tag um 7 Uhr verließ das Schiff Mainz, wurde flussaufwärts getreidelt und erreichte ebenfalls zwischen 15 und 16 Uhr Frankfurt. Die Ankunft des Schiffes wurde durch eine Trompete vom Turm der Nicolaikirche signalisiert. Neben dem Mainzer Marktschiff gab es ebenfalls eine Verbindung nach Hanau und eine nach Offenbach. Über das Treiben an Bord der Marktschiffe findet man in Goethes Dichtung und Wahrheit einen schönen Bericht.
Die Dampfschifffahrt auf dem Main
Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Schifffahrt auf dem Main mit der Einführung der Dampfschifffahrt weiter. 1832 wurde der Raddampfer „Stadt Frankfurt“ in Dienst gestellt. Durch den geringen Wasserpegel des Mains zu der damaligen Zeit war die maximale Beladung des Dampfers 50 Tonnen. Alle Güter, die vom Rhein kamen, mussten in Ginsheim Gustavsburg auf kleinere Schiffe umgeladen werden. Trotz einer Vertiefung der Fahrrinne und der Einführung der Kettenschifffahrt 1871 nahm die Menge der transportierten Güter immer weiter ab. Erst mit dem Einbau der Staustufen und einer Vertiefung der Fahrrinne in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gewann der Main als Wasserschifffahrtstraße wieder an Bedeutung.