Carolus Clusius

Einflussreichster Botaniker des 16. Jahrhunderts

Charles de l´Écluse oder wie er sich in späteren Jahren nannte, Carolus Clusius, lebte von 1587 bis 1593 in Frankfurt und machte die Tulpen in Europa heimisch. 

Es entstand damals eine sogenannte Tulpenmanie, weil die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Tulpenzwiebeln und deren Vermehrung den Wert der Pflanzen ins Unermessliche steigen ließ.

ab 1526

Von Arras, nach Gent und Löwen, über Marburg nach Wittenberg, Montpellier nach Paris

Geboren wurde Charles de l´Écluse vor 500 Jahren am 19. Februar 1526 in Arras, damals Flandern, heute eine französische Stadt. Nach dem Besuch einer Klosterschule studierte er auf Wunsch seines Vaters Jura in Gent und Löwen. Es folgte ein Studium der Philosophie in Marburg. Vermutlich in seiner Zeit in Marburg konvertierte er zum Protestantismus und änderte seinen Namen in Carolus Clusius. Es ist davon auszugehen, dass er während seiner Studienzeit in Marburg auch das erste Mal Frankfurt besuchte. Es folgten Studien in Wittenberg bei Philipp Melanchton, gefolgt von Studienjahren im Fach Medizin in Montpellier 1551–1554 und in Paris.

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Vom Mediziner zum Botaniker

Während seiner Zeit in Montpellier lernte er den Mediziner und Gelehrten Guillaume Rondelt kennen. Clusius, der nicht die Absicht hatte, Arzt zu werden, begann sich auf die Anregung seines Lehrers Rondelet mit Botanik zu beschäftigen und wurde einer der einflussreichsten Botaniker seiner Zeit.

Zunächst aber beschäftigte er sich mit der Heilpflanzenkunde, die zu dieser Zeit ein Teil des Medizinstudiums war. Er reiste viel, traf Gleichgesinnte und tauschte sich mit ihnen über die Flora Frankreichs aus. Carolus Clusius war der erste Botaniker, der Pflanzen nicht nach ihrer Wirkkraft in der Medizin systematisierte, sondern nach ihren Formen, Farben und ihrer Zugehörigkeit zu Pflanzenfamilien. 

 

ab 1564

Studienreisen nach Spanien, Portugal, Frankreich und England

Clusius sprach sieben Sprachen und das ermöglichte ihm die Korrespondenz mit Botanikern aus Holland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Deutschland. Von 1564 bis 1565 bereiste er mit dem Sohn des Bankiers Anton Fugger, Jakob III. Fugger, die iberische Halbinsel, sammelte, untersuchte und dokumentierte eine große Anzahl von dort heimischen, in Nordeuropa zumeist unbekannten Pflanzen.

Es folgten weitere Reisen Clusius‘ in die Provence und nach England. Er verfasste zahlreiche Artikel über Medizin und Pharmazie und nutze jede Reise zum persönlichen oder schriftlichen Austausch mit Gleichgesinnten. Schätzungen zufolge soll er circa 4.000 Briefe geschrieben haben. Carolus Clusius war ein exzellenter Netzwerker und über die Zeitspanne seines Lebens entstand so ein europaweites Netzwerk von Botanikern. 

 

ab 1573

Als Botaniker an den Hof nach Wien

1573 holte Kaiser Maximilian II. den bereits bekannten Botaniker an seinen Hof nach Wien und beauftragte ihn mit der Anpflanzung eines Medizinal Kräutergartens. Neben diesem Garten entstand auch ein Alpinum, ein Garten mit Pflanzen aus den Alpen. Unter anderem wuchsen dort auch alpine Primeln, die heutigen Vorläufer unserer Gartenprimeln. In Wien lernte Clusius Ogier Ghislain de Busbecq kennen. Busbecq, Diplomat am Hofe Kaiser Maximilians II., war mehrfach für den Kaiser nach Konstantinopel an den Hofe des osmanischen Herrschers Süleyman I. gereist. Von seinen Reisen in die heutige Türkei brachte er vermutlich bereits 1562 erstmals Tulpenzwiebeln, Hyazinthen und Fliederpflanzen mit. Gemeinsam mit Clusius machte er diese Pflanzen aber erst in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts in Westeuropa heimisch.

Der Name Tulpe oder Tulipan geht ebenfalls auf Busbecq zurück. Die Tulpe, auf Türkisch Lale, war eine am Hofe Süleyman I. häufig am Turban getragene Pflanze. Durch ein Missverständnis Busbecqs den Namen der Pflanze betreffend wurde aus Turban das Wort Tulipan – so kam die Tulpe zu ihrem Namen.

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ab 1577

Pflanzenkunde „Stirpium Nomenclator Pannonicus“

Nach nur vier Jahren war die Zeit Clusius‘ am österreichischen Hof beendet. Maximilian II. war überraschend verstorben und sein Sohn Rudolph II. hatte kein Interesse an Botanik und eine ausgesprochene Abneigung gegen Protestanten. Clusius verließ Wien fand eine neue Unterkunft bei Balthasar Batthyány im österreichischen Burgenland. Dort verfasste er sein vielleicht bedeutendstes Werk, die erste österreichische Pflanzenkunde „Stirpium Nomenclator Pannonicus“.

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ab 1587

Clusius kommt nach Frankfurt

Nach weiteren Reisen durch Europa, aber weiterhin ohne feste Anstellung und ausreichendem Salär, entschied er sich 1587 mit seinen Pflanzen nach Frankfurt überzusiedeln. Eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung spielten die Unterstützung durch den hessischen Landgrafen Wilhelm IV. und die Frankfurter Messe.

Clusius hoffte, hier in Frankfurt Käufer für seine Pflanzen und seine Bücher zu finden. Sein neues Zuhause war am Römerberg im Großen Engel direkt gegenüber dem Römer in der Ostzeile und sein Garten befand sich an der heutigen Taunusanlage. Dort züchtete er viele seltene Pflanzen, vermehrte Tulpenzwiebeln und pflanzte auch Kartoffeln. 

 

 

ab1593

Als Professor an die Universität Leiden

Clusius blieb nur sechs Jahre in Frankfurt, bevor er 1593 einem Ruf an die 1575 gegründete Universität Leiden folgte. Er übernahm als Professor das Fach Botanik und errichtete in der Rekordzeit von nur einem Jahr den Hortus Academicus, einen heute noch bestehenden Garten im Stil der Renaissance, in dem er Kräuter, Arzneipflanzen und exotische Blumen anpflanzte.

Die Tulpenzucht betrieb er ausschließlich in seinem von der Universität finanzierten privaten Garten. Dort experimentierte er mit verschiedenen Kreuzungen, die er zu Forschungszwecken an Botaniker in ganz Europa versandte. Seine Tulpenzucht blieb natürlich nicht unbemerkt. Viele Menschen hätten auch gerne diese schönen exotischen Pflanzen in ihren Gärten angepflanzt. Clusius war jedoch nicht bereit, Tulpenzwiebeln zu verkaufen, was das Interesse an den Pflanzen zusätzlich steigerte.

In der Literatur findet man immer wieder Hinweise darauf, dass trotz Schutzzäunen und Wachen immer wieder Tulpenzwiebeln aus seinem Garten gestohlen wurden. Die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Tulpenzwiebeln und deren Vermehrung ließen den Wert der Pflanzen über die folgenden Jahrzehnte ins Unermessliche steigen. Man spricht heute von einer Tulpenmanie, aber das erlebte Carolus Clusius selbst nicht mehr. Er starb 1609 in Leiden.

Carolus Clusius gilt als der beste Kenner der europäischen Pflanzenwelt seiner Zeit und es gibt eine große Anzahl von Pflanzen, deren Namen sich auf Clusius beziehen, zum Beispiel die Clusius Pfingstrose, Paeonia clusii oder die Clusius Primel, Primula clusiana und natürlich die Clusius Tulpe Tulipa clusiana.